Um was geht’s?

Die Idee
Für eine Woche kaufen prominente Bambergerinnen und Bamberger einem/r Asylsuchenden sein/ihr Essenspaket ab und versuchen, sich ausschließlich davon zu ernähren. Ihre Erfahrungen werden hier veröffentlicht. Dabei ist es unter anderem von Interesse,  wie sich ihre Lebensqualität, ihr Selbstbestimmungsrecht und ihre Ernährungsgewohnheiten dadurch verändert haben. Bei all dem ist zu bedenken, dass ein/e „normale“ Asylsuchende/r jede Woche und oft über viele Jahre von so einem Paket leben muss.

Hintergrund zu Essenspaketen
Asylsuchende werden nach dem Asylbewerberleistungsgesetz versorgt. Das sieht die Möglichkeit vor, nicht Geld für Lebensmittel auszuzahlen, sondern die Asylsuchenden direkt mit Lebensmitteln zu beliefern. Diese so genannten „Essenspakete“ können zwar von den Betroffenen über Bestelllisten in gewisser Weise beeinflusst werden (man kann z.B. anderes Fleisch als Schweinefleisch bestellen, Reis statt Nudeln, Fladenbrot statt Schwarzbrot o.ä.), aber dennoch ist dieses System deutlich von einer selbst bestimmten Ernährung entfernt.

Das Verschicken der Essenspakete von einer zentralen Stelle aus verursacht zudem einen hohen und kostspieligen Logistik-Aufwand, der finanziert werden muss, bzw. zu Lasten der Lebensmittelqualität geht. Gewinne macht so nicht einmal der örtliche Einzelhandel (wo die Flüchtlinge mit Geld einkaufen würden), sondern ein Logistiker andernorts. Und das System ist anfällig für Fehler und Qualitätsverluste – so wird immer wieder über Falschlieferungen, völlig fehlende Pakete und verdorbene, abgelaufene oder aufgetaute Lebensmittel geklagt. Das Essenspaket eines Monats ist nach Angaben des Freistaats Bayern circa 130 Euro wert.

Was wollen wir?
„Freund statt fremd“ und andere Flüchtlingsinitiativen, darunter auch der Bayerische Flüchtlingsrat, setzen sich für eine Abschaffung der Essenspakete ein. Bayern ist das letzte Bundesland, in dem es dieses System noch gibt. Alle anderen Bundesländern zahlen den Asylsuchenden (so wie auch einheimischen LeistungsbezieherInnen, etwa bei Hartz IV) einen bestimmten Geldbetrag aus, mit dem sie sich eigenverantwortlich ihre Lebensmittel kaufen können. Wir wollen erreichen, dass sich Asylsuchende wie alle anderen selbstbestimmt ernähren und auf diese Weise auch Zugang zu Geschäften, Kontakt mit anderen Menschen und Kenntnisse im Alltag erlangen können.

Mit dem Selbstversuch von Prominenten, die sich ein Woche lang (zumindest in Bezug auf Ernährung) in die Lage von Asylsuchenden versetzen, möchten wir öffentliche Aufmerksamkeit für dieses Anliegen gewinnen und Bürgerinnen und Bürger zum Nachdenken über die aktuelle Situation anregen.

Die Handhabung der Essenspakete ist in unseren Augen aber nur ein Teil einer gesamten Politik der Bevormundung. Mehr Information zu Problemen der aktuellen Asylpolitik gibt es hier.

Die prominenten Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten von uns zu den Essenspaketen auch einen Beipackzettel, der weitere Informationen bereithält. Sie können diesen hier einsehen: Beipackzettel.

Damit Sie sich einen besseren Eindruck davon machen können, wie die Versorgung der Asylsuchenden aussieht, haben wir Ihnen hier einige Listen, mit denen Essen und Trinken bestellt werden müssen, zugänglich gemacht:

Essensliste Essensliste Essensliste

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2 Gedanken zu “Um was geht’s?

  1. Eine schöne Idee! Wie wäre es, die Aktion zu einer Initiative auszuweiten und den Tausch bayernweit zu intitutionalisieren? So könnte man freiwillig z.B. einmal im Monat das Essenspaket übernehmen und dem jeweiligen Asylbewerber dafür Geld geben. Vielleicht gibt es sogar Leute, die ohnehin nicht gern einkaufen oder nicht viel Zeit dafür haben. Oder Leute, für die Ernährung lediglich Nahrungsmittelzunahme ist und die nicht viel Wert auf selbstbestimmtes und gesundes Essen legen. Es wäre eine Form des sozialen Engagements, das vielleicht nicht das ganze System ändert, aber im Kleinen glücklich machen könnte.

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