Theresia Lauer: „Eigentlich (!) gar nicht so schlimm…“

Am Dienstag erhielten wir das erste Essenspaket, d. h. jeder zwei weiße Plastiktüten mit Inhalt. (Mein Mann schob mir gleich die Tüte mit dem Fladenbrot unter, aber ich verteidigte meine 10 Semmeln anhand der Liste, auf der ich die einzelnen Posten genauestens abhakte).

Ich konnte feststellen, dass eigentlich mehr drin war als ich erwartet hatte.

Mein erstes Abendbrot war dann ganz einfach:

Semmel mit vegetarischem Brotaufstrich, Salat dazu und Apfelsaft mit Mineralwasser (das habe ich allerdings aus Herberts Bereich „entliehen“. Na ja, im Notfall hätte es auch Leitungswasser getan). Als Nachspeise verputzten wir zu zweit die überreife Banane (die 3 Kiwis von Herbert waren zu hart).

Fürs nächste Mittagessen entschied ich mich für Tortellini mit Tomatensoße. Aber konnte das meinem Ehemann reichen, um satt zu werden? Also noch schnell den Spinat gemacht! Eine etwas eigentümliche Mischung, aber den Rest der Tomatensoße gab es dann am nächsten Tag zu Hähnchen und Reis. Am Abend aßen wir dann leckere Putenwürstl  (und Senf aus dem eigenen Bestand), dazu Kartoffeln und als Nachspeise eine Schale Dosenobst (verfeinert mit Schokoraspeln und Mandelblättchen, ebenfalls aus dem eigenen Bestand). Na ja, ein bisschen geschummelt – so schnell und ganz konnte ich meine Gewohnheiten und Vorlieben doch nicht aufgeben!

Eigentlich hatte ich noch jede Menge an Vorräten, z. B. Semmeln. Diese waren für Freitag als Arme Ritter mit Dosenobst geplant. Semmelknödel wären mit der noch vorhandenen Pizza oder der Dose Mais für mich nicht kombinierbar gewesen.

Na ja, am Donnerstagabend kamen ja schon die nächsten 2 Tüten für mich!

Sie entsprachen nicht ganz meinen Erwartungen – ich hoffte auf frisches Obst und Gemüse, statt dessen hatte ich nun einen ordentlichen Grundbestand an Vorräten: insgesamt 3 Dosen Mais, 12 Eier, 3 Pfund Reis und Verschiedenes, was ich mir selbst nicht kaufen würde.

Na ja, mit dieser neuen Lieferung konnte ich mich die restliche Woche durchlavieren, eigentlich war Essen ja reichlich vorhanden, ich musste halt besser planen und kombinieren, es wird schon gehen.

Eigentlich gar nicht so schlimm, diese Woche, denn in der nächsten Woche würde ich ja eine „neue Zusammenstellung“ bekommen.

Darin lag mein Irrtum – wie ich sofort korrigiert wurde. In der nächsten Woche würde ich wieder 3 Pfund Reis, 3 Dosen Mais, 12 Eier, 1 Liter Öl usw. bekommen.

Da klappte mir die Kinnlade herunter.

Und ich merkte, dass das Ganze doch ernsthafter zu sehen ist als ich es mir vorgestellt hatte:

Eine Woche ist o.k. – aber noch eine Woche das Gleiche, und noch eine Woche und noch eine Woche…

Wie geht es weiter mit diesem Experiment?

  1. Ich muss mich ausklinken, weil ich nach München fahren musste.
  2. Ich plädiere dafür, nicht Essenspakete zu liefern, sondern Geld für Essen auszuzahlen.
  3. Ich lege allen Zweiflern ans Herz, ebenso diesen Versuch mit Essenspaketen zu wagen: Die Praxis hat es in sich. (Und keine Angst: Verhungern kann man nicht!)

Theresia Lauer

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